BLOODSPOT
"Embrace the end" CD
(www.finestnoise.de/RADAR)
Die todessehnsüchtigen Metaller und Thrasher aus Hessen konstruieren ein musikalisches Gorefest, das souverän aufgeführt und durch den kreativen Kopf und Gitarrist Daniel stilprägend visuell umgesetzt wird. Im Theater der Pathologie sezieren BLOODSPOT Motive des Todes und entwickeln ein Struktur des menschlichen Niedergangs, bohren, sägen in die Haut, durch Knochen, ins Rückenmark und behandeln ohne Betäubung.
Das schmerzt, aber nach einer kurzen Eingewöhnung entspannt sich Körper und Seele, währenddessen sich das Fleisch vom Knochen löst: "Flesh slowly rots as my words starts to scource your mind!" Na guck, Poeten sind sie auch noch. Aber das sollten Pathologen ja auch sein, schließlich ist die bizarre Arbeitsatmosphäre und Arbeitshandlung auch ein künstlerischer Akt mit dem nötigen Respekt im Umgang mit dem Vergänglichen. Die hessischen Praxis-Philosophen finden in einer kranken Welt alle Zutaten für ihre eindrucksvolle Spielart, indem sie den Zerfall beobachten, diesen porträtieren, den Zustand als Ganzes betrachten und als dritten Weg, sich mit dem Innewerden den anderen als anderes ICH ansieht. Gleichwohl BLOODSPOT noch gar nicht lange praktizieren/musizieren haben sie ein gutes Verhältnis zum Patienten, weil sie mit der Art ihrer Weitergabe und Übertragung den richtigen Riecher haben und den möglichen gemeinsamen Weg aufzeigen: "There is no way to go, just follow the rotten smell!" Das ist konkret, trotzdem werden immer nur die Symptome behandelt. Aber heilen tut nur die Natur, BLOODSPOT kurieren und tragen die Sorge darüber dass "I have control of myself, I am controlled from everything in myself!" Das Quintett ist sich im Klaren, dass sie mit dem Effekt des Todes, des Zerfalls eine Kategorie basteln, die auf eine spezielle Dialogik aufbaut: sich klar werden über den anderen Menschen, aber auch über sich. Im Ergebnis hat diese Erkenntnis Erfolg, findet großen Anklang, da die Auseinandersetzung mit der Thematik durchaus kreative Ideen hervorbringt und genügend Potential entwickelt, eigene Phantasien anzuregen. Das ist nicht psychologisch, das ist nicht soziologisch, von mir aus auch nicht wissenschaftlich, sondern praktisch.


0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen